Reisebericht von Tschalie
Erstellt am 1.02.2007
Wie es dazu kam:
Ringring, das Handy läutet, Theo im euphorischen Ton "Servus, wos mochstn übernächste Woch? Mir fahrn nach Rumänien zum Mopedfohrn und Du bist dabei!"
Mit jedem weiteren Wort von Ihm wurde mir immer klarer, dass ich aus dieser Sache nicht mehr heraus kommen würde. Grundsätzlich ja nichts schlechtes, für meine Spontanheit bin ich berüchtigt, allerdings traten doch noch einige "geringfügige Problemchen" auf.
1. Nur noch eine Woche bis Abfahrt
2. Kein Urlaub beantragt
3. in den letzten 5 (in Worten FüNF!!!) Jahren kein Moped mehr artgerecht bewegt
4. Keine Motorradausrüstung
5. KEIN MOTORRAD!!!
Wie gesagt, alles nur Kleinigkeinten die "rasch" behoben wurden. Insgesammt waren wir zu viert, Bandenchef Hubi (seineszeichens Psychopath, der mit frisch gebrochenem Mittelfuss glaubt seinem LT die gleichen "Wege" zumuten zu können wie seiner Berg), Theo (der vermutlich immer sofort nach dem morgentlichen Aufstehen einen Clown frühsückt, anders ist seine penetrante gute Laune in aller Frühe nicht zu erklären), Hämmerl (kannte Motorräder bis dato nur von Bildern, weder Führerschein noch jegliche Fahrpraxis!!! Böse Gemüter trauten Ihm noch nicht mal die Beherrschung eines 3-Gang Damenfahrades zu) und meine Wenigkeit.
Die Anreise:
Gut 1200 Km liegen vor uns mit Hubi's vollbeladenem LT, sehhhhr vieeel Vorfreude, guter und vor allem lauter Musik und unbehaglichem Bauchgefühl bei mir, steht doch meine Ypse auf Hubi's kreativ gebasteltem "Motorradträger" mit bedenklicher Bodenfreiheit. Diese wurden aber vorerst unterdrückt, die Neugier überwiegt und keiner konnte es noch erwarten das Land der 7 Burgen zu erreichen.
Soweit so gut, hätten wir nicht einen Navigationslegastheniker und einen total durchgeknallten Hobbyrallypiloten an Bord, "Do hint hätt ma irgendwann abbiegen müssen" - "Ahh, fahr weiter, im nächsten Ort gehts a links weg, do kemma wieder af de gleiche Straß". Die Strassen werden zusehens schlechter, meine Ypse setzt immer häufiger am Boden auf, dann kam was kommen musste. Strasse aus, Feldwegbergpaß an. Mit feinfühliger und diplomatischer Diskussion konnten wir unseren Piloten davon überzeugen zwei Mopeds sammt Fahrer abzuladen um etwaige Schäden meines Crossers zu vermeiden, die Bodenfreiheit des Lt's zu vergrössern und zwei Wegbegudachter zu haben.
Freudestrahlend gings rauf aufs Bike und im lässigen Tempo voran. Genial! Kilometerlange Schotterpisten, kein Mensch weit und breit, das Grinsen unter unseren Helmen konnte man aus hundert Metern erkennen, ein TRAUM! Zumindest auf unseren Böcken, der Weg wurde immer schlechter, ausgewaschene Stellen, tiefe Spurrinnen und Felsiger Untergrund wechselten sich ab. Jetzt wird's haarig mit Hubis LT dachten wir, also an einer Lichtung angehalten, Zigarette an, die Ruhe genießen und auf unsere Kollegen warten. Diese kamen rasch näher, auf die Frage ob er da so weiterfahren wolle bekamen wir ein grimmiges "Geht scho" zu hören und weiter gings. Dieser Vorfall wiederholte sich noch ein paar mal und die Worte "Geht scho" gabs ansteigend in den Tonarten grimmig, gereizt, bis total angepisst zu hören.
Wir kamen in einem kleinen Dorf an, ab da kannte unser Trucktrialer den Weg wieder und schoss mit seinem Nutzlaster derart über Strassen und Feldwege das ich teilweise ins Rudern kam um an Ihm dran zu bleiben. Wohlgemerkt, der Weg zu unser Unterkunft kann eigentlich nur zu Fuß, mit Enduros oder echten Geländewägen (keine SUV's oder so Spielzeug) bezwungen werden!
Dann war es endlich soweit, wir sind angekommen, Erleichterung machte sich nicht nur bei uns, sondern wohl auch bei Fritz und Cosmina breit, hatten wir uns doch "etwas" verspätet. Nachdem wir auf's herzlichste begrüßt wurden und einige Tuicas zu uns genommen hatten, richteten wir uns in unseren Behausungen ein. Die Zeit verrinnt, das Abendessen wurde aufgetischt und bei Bier und Tuica gabs das erste Stelldichein.
Die Touren:
Endlich ist es soweit, der erste rumänische Ausritt naht, also nix wie rein in die Klamotten und rauf auf die Mopeds. Anfangs war gemütliches warm werden für Mensch und Maschine angesagt. Doch die Gemütlichkein währt nur kurz, der erste leichte Anstieg mit fießen Ausschwemmungen machten unseren Stefan - der doch nur mitfuhr um Drakulas Schloß zu Gesicht zu bekommen, statt dessen kam selbiges nur mit Gras, Schotter und anderen schmutzigen Sachen in Berührung - mit dem rumänischen Boden bekannt, halb so wild, wieder aufs Moped klettern und weiter gehts.
Leider muß ich an dieser Stelle gestehen, dass ich mich nicht mehr genau an jede einzelne Tour im Detail erinnere, man bedenke, ich schreibe diesen Bericht 6 Monate nach diesem Endurourlaub, man möge mir verzeihen und Cosmina, ich gelobe Besserung, beim nächsten mal wird's ausgereifter und exakter, doch ich werde alle Highlight's hier zusammenfassen.
Die von uns gefahrenen Touren dauerten meistens einen guten halben Tag, was uns persönlich sehr entgegen kam, da unsere Kondition doch eher recht weit unten anzusiedeln war. Das Streckenprofil reichte von Schotterpisten, Wald- und Wiesenwegen über Singletrials bis hin zu knackigen Auf- und Abfahrten, Enduroherz was willst du mehr?!
Einem in der Nähe liegenden Wasserfall galt unser Besuch, die Strecke war herrlich, die gute Laune jedem ins Gesicht geschrieben und die Sonne unser stetiger Begleiter, somit kam das kühle nass gerade recht. Nachdem unser Tierfreund Theo die rumänische Tierbevölkerung begutachtete gings weiter Richtung Mädchenmarkt (leider war der Name nicht Programm :-)) über einen schmalen Pfad an einem Bergkamm. Die überwältigende Aussicht lut zu einer kleinen Verschnaufpause ein, in der wir ein altes, umgefallenes Feldkreuz fanden welches von uns wieder in eine würdige Position gebracht wurde. Damit lösten wir wohl einen Fluch aus, denn wenige Kilometer später wurde der Weg immer enger und schwieriger, bis er nach einem knackigem, serpentinenartigen Singletrial abwärts in einem Flußbett endete, er wurde nicht noch schwieriger sondern er war einfach weg. Was tun? Umdrehen? Auf keinen Fall! Hatten wir doch noch die anstrengende Abfahrt mit all ihren Tücken im Gedächtnis, das tun wir uns nicht nochmal an. Hätten wir aber machen sollen, denn was noch auf uns zukam war der sprichwörtliche Highway to hell.
Wie gesagt, wir standen vor einem Flußbett mit fast fußballgrossen, losen Steinen. Hinterlistiger Weise sah es anfangs so aus, als ob der Weg nach der Flußüberquerung weiterführen würde, leider weit gefehlt, denn nach ein paar metern gings wieder ins bett, und das für geschätzte 2,5 Kilometer welche sich aber anfühlten wie die kompletten 1200Km der Anreise.
Nach wenigen holprigen Metern stellten wir fest (ausser der Hämmerl, Zitat:"I fahr koan Meter mehr"), je schneller, desto entspannter kommt man über das Felsige Terrain, denn merke: Geschwindigkeit bringt Sicherheit.
Puhh, endlich geschafft, an einem schattigen Plätzchen liesen wir (Theo und ich) uns nieder, nahmen einen herzhaften Schluck aus den Camelbag's und warteten bei einigen Zigaretten auf die Anderen.
Dies sollte etwas dauern, da ja unser Stefan die weiterfahrt verweigerte und Fritz und Hubi in Etappen sein Motorrad mitnehmen mussten.
An dieser Stelle sei erwähnt, dass wir alle, trotz dieser beschriebenen Escapade, dem Stefan hohen Respekt zollen. Man muss sich vor Augen führen dass dieser Irre vor einer knappen Woche noch nie auf einem Moped saß!!!
Aber nun weiter, nach dieser unterarmzerfetzenden Prozedur endlich am besagten Mädchenmarkt (war früher einmal ein Heiratsmarkt, heute eine Art Dorffest) angekommen, genemigten wir uns ein Bier und ein Paar Mitch (rum. Bratwürste) um uns zu stärken, die Rückreise verlief hauptsächlich über Asphalt, man erinnere sich an Stand unserer Kondition.
Bei einer der nächsten Touren haben wir vermutlich den Sonnengott etwas verärgert, oder der Feldkreuzfluch verfolgte uns noch immer, jedenfalls fing es in Mitten eines felsigen Wiesenweges an waagerecht aus Eimern zu schütten was dem gemütlichem Endurowandern nicht sonderlich zuträglich war. Nur einer hatte bei Entdeckung der Toilette von geschätzten 2000 Rindern spaß am Regen und prügelte seine Berg durch die ca. 40 Meter lange, mindestens Knietiefe Güllegrube, zum Leidwesen unser aller, der Gestank war bestialisch.
Jetzt heisst es zügig weiter fahren um wieder auf halbwegs befestigtem Untergrund zu gelangen, doch das erwies sich als einfacher gesagt als getan. Ein unscheinbarer Rinnsal wurde durch den Platzregen zum reissenden Bach und überschwemmte den ganzen Abhang den es zu überwinden galt. Was nun kam hatte mehr mit Schlittenfahren als mit der vernünftigen Bewegung von Zweirädern zu tun, Fritz schlitterte als erster voran, stellte seine KLR ab und kam zu Fuß wieder hoch um Stefan zu helfen, der vorsichtshalber lieber schieben wollte. Dabei wurde er fast von unserem Stinker mit den Worten "Schau af, as Moped macht wos will" überrollt, glücklicherweise konnte sich Fritz aus der Schusslinie von Theo gekonnt entfernen, ob er sich allerdings wegen der drohenden Kollision oder wegen des Gestanks so schnell entfernt hat bleibt bis heute ungewiss.
Diese letzte Hürde überwunden und an einem Schotterbergpass angelangt, statteten wir noch einen dort befindlichen Aussichtsfelsen einen Besuch ab. Nach dieser kurzen aber nötigen Pause gings wieder richtung Quartier, erstens machte es wenig Sinn sich noch weiter zu Quälen und viel wichtiger, zweitens, heute wird gegrillt!
Land und Leute:
Zu der überwältigenden Landschaft ist ja schon kurz eingegangen worden, aber man kann es nicht oft genug wiederholen. Der Roland war ja das Jahr zuvor schon dort und versuchte uns vor Reisebeginn schonmal einen ersten Eindruck anhand von Bildern und Erzählungen zu übermitteln. Dieser wurde aber bei uns allen bei weitem übertroffen, in den Karpaten ist die Welt noch in ordnung, unberührte Natur, in der man noch ohne zuvor in die Reiseapotheke schauen zu müssen ob für den Fall der Fälle auch diverse Hilfsmittel dabei sind, aus einer Quelle trinken kann. Saftige, grüne Bergwiesen, welche mit Pflanzen übersäht sind die bei uns Daheim wahrscheinlich nur noch aus Büchern bekannt sind.
Mit den Landsleuten die wir kennenlernen durften ist es ähnlich wie mit der Natur. Deren Freundlichkeit, Hilfsbereitschaft und Gastfreundschaft setzt Maßstäbe! Des öfteren wurden wir von unseren Nachbarn zum Essen und noch öfter zum Trinken eingeladen.
Ein gutes Beispiel hierfür ist ein Meckaniker Namens Theo, aufgrund eines Schadens an Hubis Bremsleitung und der Mangel an Ersatzteilen hierfür, mussten wir eine Werkstatt aufsuchen, in der der besagte Theo arbeitete. Die Verständigung war zwar etwas umständlich, aber er sprach etwas englisch und mit Händen und Füssen konnte man sich dann doch vorstellen was der Andere meint. Aber zurück zur Reparatur, da auch diese Werkstatt kein passendes Ersatzteil hatte wurde improvisiert, zusammengerechnet einen ganzen Tag lang. Als es ans bezahlen ging und Hubi danach fragte, wurde das vehement abgelehnt, der Mann wollte einfach kein Geld annehmen!
Nach einigem hin und her ließ er sich doch breitschlagen, um wenigsten ein Trinkgeld anzunehmen, solch ein Fall wäre in Deutschland undenkbar.
Die Abreise:
Viel zu schnell verging die Zeit, doch irgendwann muß es halt leider sein. Im direkten Vergleich zu unserer Anfahrt verging die Heimreise zwar glimpflich, aber irgendwie bekommen wir Kaoten es nicht gebacken eine Strecke die länger dauert als zum Bäcker ohne Vorfälle zu meistern. Nach einem gemeinsamen Abschlussessen in Deva wurde es entgültig Zeit sich zu verabschieden und sich auf den Weg zu machen. Heimwärts woll(t)en wir eine andere, einfachere und schnellere Strecke nehmen, dies gelang uns auch bis kurz vor die Grenze zu Ungarn, als unser Pilot kurz vorher einen Hacken schlug und willkürlich die eingeschlagene Richtung änderte, hier ist anzumerken, dass unserm Navigator diesmal keine Schuld trifft, dieser wurde in weiser Voraussicht ausgeschaltet.
Irgendwann kamen wir dann doch noch an einen Grenzübergang, nicht der geplante, aber immer hin. Die Zöllnerin bemängelte unser "Mautpickerl", dieses war zwar absolut ordnungsgemäß angebracht und auch die Papiere waren ok, aber leider erst am Tag der Ausreise von uns erworben worden weil unser Herr Chauffeur felsenfest der Meinung war es wäre egal wann man es kaufen würde. Nach einigem hin und her bekamen wir von der Tante zu hören, dass wir entweder die volle offizielle Strafe in höhe von 300 Euronen!!! berappen müssen, oder sie "schwarz" bezahlen, da würde sie sich mit 100 Taler begnügen. Naja, was solls, wir waren alle hundemüde und wollten nach Hause zu Muttern, also nen Hunni rübergeschoben damit wir entlich weiter kommen.
Der Rest der Weiterfahrt war relativ unspektakulär, einmal fast in eine Verkehrskontrolle gekommen (die hätten eine wahre Freude an dem Motorradständer am Heck gehabt), einige Schlenker von übermüdeten Fahrern usw. usw. Die Hauptsache, alle sind wieder gesund und munter zu Hause angekommen und konnten sich erstmal ausschlafen.
Das Schlußwort:
Zu guter letzt möchte ich mich hier nochmal bedanken, bei Fritz für die Organisation und allem Drum und Dran. Bei Cosmina, Karin und Georg die für uns immer spitzenmässig gekocht und unseren Saustall nach dem dinieren aufgeräumt haben. Beim Theo, dass er mich angerufen hat. Beim Stefan, der beim Mopedfahren sehr oft für Abwechslung und Pausen gesorgt hat. Bei Valentin mit Familie für seine Einladungen und Verkupplungsversuchen. Bei Sicoe, dem Hausherrn, das er uns ertragen hat. Bei Vasile und Magdalena möchte ich mich auch für die Einladung zum Essen bedanken, für den Tuica nicht :-). Natürlich geht auch ein Dank an den Mechaniker-Theo, den Erfinder der Camelbag's, der Zigaretten und des Bieres.
Hiermit neigt sich mein Reisebericht dem Ende zu und ich schwelge wehmütig in Erinnerungen. Mit Freuden male ich mir schon den nächsten Besuch in Valea Verde aus und nur widerwillig möchte ich noch so lange warten.
Also dann, Servus beinand!
MFG
Tschalie
copyright 2006 by Karl Kandlbinder