Reisebericht für Ostern 2008 von Tschalie
Erstellt am 5.03.2009
Ostern 2008 in Valea Verde
"Mal sehen wie lange der nächste Spontanurlaub auf sich warten lässt", mit diesen Worten beendete ich meinen letzten Bericht, and here we are, zu Ostern 2008 besetzten wir wieder unsere Wahlheimat Valea Verde.
Zugegeben, ganz so spontan war dieser Urlaub (zumindest für Fritz und mich) nicht, dennoch würde ich ihn in die überraschungsurlaub-Schublade stecken denn für überraschungen wurde zu unserem Leidwesen gesorgt.
Unterwegs waren wir zu dritt, Cosmina, Fritz und ich, geplant wäre gewesen dass Cosmina in Deva bei ihren Eltern, Verwandten und Bekannten bleibt und Fritz und ich einen Männerurlaub in den transsilvanischen Bergen rund um Valea Verde verbringen.
Wir waren also in Deva angekommen und blieben die erste Nacht in Cirtiji zu Gast. Der nächste Tag brach an und wir (Fritz und ich) machten uns mit Aro, Hänger und den darauf befindlichen Mopeds auf nach Valea Verde.
Da Ostern dieses Jahr ja recht früh anstand, war durchaus mit etwas Schnee zu rechnen, mit welchem wir auch fertig geworden wären. überraschender Weise herrscht aber in Rumänien noch richtiger Winter mit richtig viel Schnee, dieses Verhalten ist in unseren Gefilden ja nur noch aus dem Fernsehen bekannt.
Die Schotterauffahrt nach Valea Verde war mit Schneeverwehungen übersät in der man sein Gefährt bis zur Schneeschmelze verlieren hätte können, abgewechselt haben sich selbige mit Eisplatten, auf denen man, sofern man überhaupt vorwärts kam, ständig vom Hinterrad überholt wurde. Es ist erstaunlich wie man sich über ein Schlammloch freuen kann, welches die Traktion um geschätzte 99% steigerte.
Alles halb so wild, die Auffahrt in unser Domizil bewältigten wir ohne gröbere Schwierigkeiten oder Ausfälle, also wird alles Andere auch einigermaßen fahrbar sein, zwangen wir uns zu denken.
Jene Gedanken wurden aber erstmal beiseite geschoben, schließlich war es der erste Abend, welcher traditionell immer gefeiert werden muss!
Die feierliche Stimmung wurde aber leicht getrübt als es ans Feuer machen ging. Das uns zur Verfügung stehende Holz war ca. eine Woche alt, also noch nass. Durch die dort herrschenden Temperaturen waren sie glücklicherweise komplett durchgefroren, so dass sie sehr leicht mit der Axt zu bearbeiten waren, leider heizt es sich mit Eiswürfeln aber schlecht.
Wir machten uns also auf die Suche nach geeigneten, brennbaren Material, welches wir auch rasch beisammen hatten (Quelle wird aus Selbstschutzgründen nicht verraten!), doch die nächste Hürde ließ nicht lange auf sich warten. Die Grillanzünder befanden sich in ähnlichem Zustand wie das Feuerholz, nicht gefroren aber feucht. Wir waren tatsächlich gezwungen die vermeintlichen Brandbeschleuniger mit Teelichtern zu trocknen bzw. anzuzünden, und, man lese und staune, nach gefühlten 36 Stunden bei ordentlichen Minustemperaturen wurde unsere Kreativität belohnt.
Das Gefühl als das Feuer endlich brannte ist am ehesten zu beschreiben mit einem fünfjährigen Buben welcher an Weihnachten die lang ersehnte Carrerabahn bekommt.
Umgehend trat sie wieder in Erscheinung, die feierliche Stimmung, und ihr wurde ausgiebig nachgegeben, bis uns irgendwann die Müdigkeit doch noch übermannte und wir uns, um am kommenden Tag fit zu sein, in unsere Gemächer zurückzogen.
Bisher wurde ich in diesem Land immer von lachender Sonne und angenehmen Plusgraden im vernünftigen, zweistelligen Bereich begrüßt, so auch dieses mal, zumindest anfangs in Deva. Doch über Nacht zeigte es sein wahres, winterliches, bitterkaltes Gesicht.
Nachdem wir am nächsten Morgen unsere Enduros wieder gefunden hatten und sie von den 40cm dicken, weißen Dekorsatz, welcher uns vom rumänischen Wettergott verpasst worden war, erlösten, pressten wir uns in die Arbeitsklamotten um die erste, österliche Tour zu starten. Die Motivation war unterhalb vom Keller und dutzende Schweinehunde galt es zu überwinden um sich auf den vereisten Bock zu setzen, doch mit jedem gefahrenen Meter talwärts wurde der Verstand von den Glückshormonen mehr und mehr beiseite geschoben, parallel dazu formten sich die Mundwinkel stetig zu einem ausgewachsenem Grinsen.
Endlose Pulverschneefelder schriehen geradezu nach einer gehörigen, motorisierten Schneeballschlacht, und wohlerzogen wie wir (zumindest ich) sind, folgten wir jenen Rufen. Die zahllosen 8er und Kreise müssten eigentlich von Satelliten (ähnlich der chinesischen Mauer) erkannt worden sein, doch in den Medien wurde bisher nichts von außerirdischen Besuchern welche dubiose Zeichen hinterließen erwähnt.
Wie schon geschrieben hatten wir talwärts (also bergab) jede Menge Spaß, dummerweise mussten wir aber irgendwann wieder ein paar Höhenmeter gut machen um zu unserer Hütte zu gelangen. Genau hier hatte dann der Spaß ein Loch.
Streckenabschnitte welche im Sommer nur mit einem müden Lächeln gewürdigt wurden schienen jetzt unüberwindlich.
Mit ausgiebig Anlauf galt es einen verschneiten Hang hinauf zukommen, 2ter, 3ter und letztlich voll ausgedrehter 4ter Gang, alle Bemühungen waren vergebens, der Anlauf verdampfte am Hang schneller als der Schnee am Krümmer. An scheinbar topfebenen Stellen war kein Vorankommen mehr auf den verschneiten und darunter vereisten Felsboden, mein chronisch durchdrehendes Hinterrad erinnerte mich stark an Don Quichotte´s Windmühlenkampf, doch meine Rosinante war nicht von Ort und Stelle zu bewegen.
Hatte man dann tatsächlich ein Fleckchen mit Grip gefunden und kam ein paar Meter weiter, wurde man hinterlistig von armdicken ästen, welche sich direkt im Gesicht platzierten, schmerzhaft vom Bike geholt. Genauere Erfahrungen und Tipps zum abrollen, gebrochene Nase wieder einrenken oder ähnlichem sind von Fritz einzuholen;-)
Aufgrund dieser „Erfahrungen“ hielten wir es für das Beste es für diesen Tag gut sein zu lassen, denn wie uns Lilly schilderte soll es bereits den Tag darauf schöner, wärmer, ja einfach besser werden.
Der nächste Tag brach an und wir stellten fest, dass wir Opfer unserer Leichtgläubigkeit wurden. Von Wegen schöner, wärmer blablablubb, gut, es waren 30 statt 40cm Neuschnee, eine deutliche Wetterverbesserung sieht in meinen Augen trotzdem etwas anders aus. Hinzu kam das wir immer noch (also seit Ankunft) kein fließend Wasser oder gar Strom hatten. Auch unser, zum Großteil nicht ganz legal erworbenes, Heizmaterial dezimierte sich beträchtlich und eine Neubeschaffung von selbigem wäre, ohne mit einem Bein im rumänischem Gefängnis stehend, nicht zu organisieren gewesen.
Für uns Anlass genug den Männerurlaub hier abzubrechen, also machten wir uns wandernd auf zu Valentin´s Einkaufszentrum, denn dieser musste unser Gepäck mit seiner Pferdekutsche nach unten bringen.
Außerdem konnte unser Proviant auch etwas Abwechslung vertragen und für unsere Nachbarn sollten wir noch Eier mitnehmen.
Letztere zu bekommen war ein Schauspiel für sich.
Nach den Vereinbarungen zur Abholung unseres Gepäcks, welches am kommenden Morgen stattfinden sollte, fragten wir Valentin nach den Eiern. Dieser schickte einen Jungen los und bot uns zwischenzeitlich Getränke und Gummibärchen aus seinem reichhaltigem Reservoir an. Anfangs zögerten wir noch ob wir seine Getränke, welche nur in 2.5 Liter Gebinden erhältlich waren, auch bezwingen würden, der Zeitaufwand einer Eierbestellung war uns bis dorthin gänzlich unbekannt.
Nach eineinhalb Stunden (kein Witz!), die wir plaudernd mit einigen Einheimischen verbrachten, traf ein Bauer ein, dieser wollte sich wohl vergewissern ob die Bestellung von 10 Eiern mit rechten Dingen zu ging. Nach bestätigenden Worten seitens Valentin drehte sich der Mann um und verließ den Laden wieder. Die arme Sau muss wohl irgendwo vom Fuß des Berges stammen welchen er zu Fuß bezwingen musste, ein Telefon haben hier die wenigsten.
Nach weiteren zwei Stunden, mittlerweile insgesamt 4 von Valentins Säften und unzähligen Gummibärchen erhielten wir unsere wohl außergewöhnliche Bestellung.
Dunkel ist es geworden als wir endlich den Heimweg antreten konnten, was, trotz Taschenlampe, die Wanderung nicht erleichterte. Da kam uns das brennende Licht in Vasilie´s Haus gerade recht. Vasilie und seine Frau Magdalena lernte ich schon vor zwei Jahren als hervorragende Gastgeber kennen, das einzige was sie noch besser konnten war sich selbst bei uns einzuladen.
Der Entschluss war also klar, hier machen wir einen kleinen Zwischenstopp um uns etwas aufzuwärmen und zur allgemeinen Nachbarschaftspflege.
Wir klopften also an seine Tür, aufgemacht wurde selbige von einer verschlafenen, sich im Pyjama befindenden Gestalt. Nach der Erkenntnis um wen es sich bei den Besuchern handelt wurde aus dem wie aus Stein gemeißelten, ernsten Gesicht doch noch eine freundlich lachende Miene.
Die typisch rumänische Gastfreundlichkeit wurde uns allerdings verwehrt, lag es an der späten Stunde oder an dem Rausch vom Fritz, ich weiß es nicht, Tatsache ist, das er uns lieber einen Herzanfall vortäuschte als uns mit seinem gefürchtetem Tuica zu überfluten.
So zogen wir eben weiter heimwärts zu unseren nächsten und letzten Nachbarn um die Eier, welche übrigens alle zehn unversehrt blieben, abzuliefern. Da nun alle Verpflichtungen erledigt waren konnten wir zu Hause endlich unser wohlverdientes Feierabendbier genießen und uns langsam aber sicher aufs Ohr hauen.
The day after, die übermenschlichen Anstrengungen des gestrigen Tages blieben nicht ohne Folgen. Offensichtlich bekommt man von anspruchsvollen körperlichen Aktivitäten gepaart mit der dünnen Höhenluft ordentliche Kopfschmerzen und Magenbeschwerden.
Wir waren also gezwungen so schnell wie möglich unser Hab und Gut auf Valentins Kutsche, und uns selbst auf die Mopeds zu packen um dem Meeresspiegel, zumindest höhenmäßig, wieder etwas näher zu kommen, der Gesundheit zuliebe.
Angekommen bei Valentin, dort stand der Hänger samt Aro, gab es die nächste unliebsame überraschung.
Die gute Nachricht, die Eisplatten und der Schnee waren größtenteils weg, die schlechte, jetzt ist alles nahezu Knietief überflutet und versumpft.
Weil der Allradantrieb des Aro nur Placebo effektiv funktionierte, tatsächlich wird der Eimer immer nur von einem Rad angetrieben, sollte ich den Karren aus den Dreck schieben. Um aber etwaige Schäden an der Kiste durch meine Krafteinwirkung zu vermeiden, zogen wir es vor Doro (Valentin sein vierbeiniger Kutschenmotor) vorzuspannen und mit Ach und Krach bekamen wir den Eisenhaufen wieder auf den Weg.
Das Umpacken und Verladen ging recht zügig voran und wir konnten uns auf den Weg nach Deva begeben, auf welchen wir nochmals Lilly trafen, die falsche Schlange grüßte auch noch recht scheinheilig, hoffentlich erstickt sie an Ihrem schönen, warmen Spitzenwetter!
Es sei noch erwähnt dass der Aro, so fertig er auch ist, über ein exzellentes Automatikgetriebe verfügt, zumindest für den Fahrer. Da bei diesem Vehikel der Chauffeur damit beschäftigt ist das Lenkrad mit beiden Händen so gut es eben geht festzuhalten, ist es die Aufgabe des Kopiloten für die richtige Gangwahl zu sorgen und dafür das Selbiger auch an seinem Ort bleibt, ein echtes Familienfahrzeug eben. Das Fahrgefühl dieses „Dings“ lässt sich am ehesten mit einem ca. 45 Jahre alten Bulldog vergleichen, nur eben langsamer.
Zwei Stunden später (für 80 Km) trafen wir dann endlich in Deva ein, wo uns höflich aber dennoch mit nicht zu unterschätzendem Nachdruck die Benutzung einer Dusche nahegelegt wurde, nun war es also endgültig vorbei mit dem Männerurlaub....
Die restlichen Tage verbrachten wir relativ entspannt in Deva und Umgebung bei diversen sightseeing Touren, Einladungen zum Essen, Entwicklungshilfen und so weiter uns sofort.
Zum Schluss noch eine kurze Zusammenfassung.
Auch wenn die Mopedfahrerei häufig nervtötend und anstrengend war, so war es doch eine (vielleicht gerade deshalb) wahnsinns Gaudi, die ich auf keinen Fall missen möchte. Sollte es allerdings nochmal zu so einem frühen Termin für Valea Verde kommen, werde ich mich wohl nach einem anderen Fahrzeug (hinten Kette, vorne Kufen) umsehen müssen.
Obwohl, wenn ich so überlege wäre es eigentlich wesentlich geschickter und vor allem günstiger, mich mal mit unserem Benedikt XVI. zu unterhalten, um Ostern einfach etwas nach hinten zu verschieben, Mai sollte doch reichen?
Wie dem auch sei, schee wars wieder, servus beinand!
Also dann, Servus beinand
MFG
Tschalie
copyright 2007 by Karl Kandlbinder